Dienstag, 11. Juli 2017

Für heiße Nächte

Nein, keine Sorge, dies hier ist kein Post über Negligés oder Reizwäsche, oder gar für stimmungsvolle Filmchen 😊

Unser Schlafzimmer liegt unterm Dach. Das Fenster geht nach Südosten, morgens ab sieben knallt die Sonne aufs Bett. Und der beste Ehemann von allen ist sehr lärmempfindlich. Schlafen mit offenem Fenster fällt daher aus. Schlafen mit offener Tür ebenso, da unsere beiden Katzen nur zu gern mit im Bett schlafen. Wenn es draußen heiß ist, ist es im Schlafzimmer ebenfalls heiß. Also muss was Luftiges zum Schlafen her.

Wie gut, dass ich nähen kann!

In meiner Stoffkiste lagerte schon eine ganze Weile ein weicher türkisfarbener Jersey. Ein Meter, ursprünglich vorgesehen für ein Shirt. Bei meinen Überlegungen zum Spring-Style-Along und der Stoffdiät befielen mich allerdings Zweifel, ob die Farbe für mich so optimal ist. Der Jersey wanderte zunächst auf den Haufen mit den Problemstoffen.

Im Urlaub auf Usedom aber fand ich den optimalen Kombipartner: Einen bunten Jeresey "After Rain" von Hamburger Liebe, mit dem ich online schon lange geflirtet hatte. Ein halber Meter kam mit.

Ursprünglich plante ich ein Nachthemd. Als ich dann aber zu Hause ein passendes Schnittmuster im Fundus suchte, entschied ich mich dafür, einen Shorty zu nähen.

Den Hosenschnitt habe ich abgenommen von einer ausrangierten Schlafanzughose, die ich in der Länge so gekürzt habe, dass ich aus dem türkisen Jersey gerade eben noch die Sattelärmel für das Oberteil herausbekommen habe.

Für das Oberteil entschied ich mich für den bereits erprobten "Solid & Stripes" aus Ottobre 5/15. Der Hamburger-Liebe Jersey reichte haargenau für Vorder- und Rückenteil, und ein kleiner Rest blieb übrig für eine Applikation auf dem Hosenbein.
Das war am Ende doch eine ganz schön knappe Angelegenheit, die ein bisschen Schnittmustertetris erforderte. Schließlich aber passte alles, wenn auch gerade eben so.





Im Nachhinein hätte ich mal besser ein bisschen mehr von der Hamburger Liebe mitgenommen, denn mit dem halben Meter war nicht mehr an einen normalen Saum zu denken, ohne dass das Shirt zu kurz geworden wäre.

Also wagte ich mich an Neuland: den Rollsaum! Mit der Overlock!
Davor hatte ich bisher gehörig Respekt, da ich bei der Inbetriebnahme meiner Ovi kurz das Kapitel gestreift hatte und eine aufwändige Umbauanleitung erinnerte. 


Im Endeffekt war es aber gar nicht schlimm, und nachdem ich alle Varianten einmal Probe genäht hatte, entschied ich mich für einen normalen Rollsaum in pink, der in kürzester Zeit genäht wurde.


 Die Säume an Ärmeln und Hosenbeine habe ich dann auch noch mit einer zweifarbigen Ziernaht versehen, genäht mit der Zwillingsnadel.


Auch das habe ich noch nie gemacht, und bin von dem Ergebnis ganz angetan.

Und so ist er fertig, mein Schlafshorty für die heißen Nächte:
 Einige Male kam er bisher auch schon zum Einsatz - und hat sich bereits gut bewährt!

Mit meinem Shorty nehme ich zum ersten Mal seit Langem wieder einmal beim Creadienstag teil, wo viele Kreative ihre Werke zeigen.






Samstag, 8. Juli 2017

Stoffdiät Juli - Urlaubsverführung...

Letzte Woche hatten wir in der Firma einen Vortrag einer Ernährungsberaterin zum Thema gesunde Ernährung. 

Dabei gab es einige Tipps, wie man sich selbst überlistet, um nicht an Gewicht zuzulegen. Die Grundregel lautet: "Nicht mehr essen als der Körper verbrauchen kann". Ganz einfach. Eigentlich. 
Übersetzt aufs Nähen heißt das: Kaufe nicht mehr Stoff, als du auch vernähen kannst. Überzählige Kalorien landen in den "Außenlagern" Hüfte, Po oder Taillenring, Stoff häuft sich im Stoffschrank. Beides quillt irgendwann über. 
Deshalb sind wir alle hier.  

Unsere Gastgeberin Antje hat für uns in ihrem Post ebenfalls nützliche Strategien im Gepäck, den Stoffhaufen im Zaum zu halten.
Wie auch die Ernährungsberaterin empfahl, sich keine Speise zu verkneifen um Heißhungerattacken zu verhindern, gibt auch Küstensocke den Tipp, sich nicht jeden Stoffkauf zu verwehren. 
Beides fällt mir nicht schwer. 😊

Im Urlaub waren wir auf Usedom, bisher Stofffreie Zone, und wie aus heiterem Himmel entdeckte ich in Bansin ein reizendes Stoffgeschäft. Eine halbe Stunde später kam ich zwei Meter Stoff schwerer wieder heraus: 


Zu dem geringelten French Terry komme ich weiter unten noch. 
Der wunderschöne Jersey von Hamburger Liebe ist ein Stoff, um den ich schon lange im Internet rumschleiche, und den ich nun endlich "in echt" bestauenen konnte. Da ein passender türkisfarbener Jersey sein Dasein im Problemstoffhaufen fristete, durfte ein halber Meter Hamburger Liebe mit.
Beide wurden am Ende des Urlaubs zu einem luftigen Schlaf-Shorty vernäht, den ich am Dienstag genauer zeigen werde. Eine Traumkombi, wie ich finde. Und Küstensockes Tipp, Neuzugänge möglichst gleich zu vernähen, wurde artig umgesetzt. Es stimmt - gleich vernäht = keine Schuldgefühle. Wär das nur bei Kuchen auch so...

Gefühlt war ich nähtechnisch ziemlich faul nach dem Nähtreffen auf Schloss Noer Mitte Mai. Urlaub und eine Dienstreise sowie viel Arbeit haben meine Nähzeit verknappt. Zeit für eine Bestandsaufnahme über die umgesetzten Projekte seit dem letzten Treffen im Mai. 

- der Shorty schlägt mit insgesamt minus 1.5 m zu Buche

- meine Tunika ist pünktlich zum Urlaub noch fertig geworden - minus 1.5 m
- eine Tasche, die ich als Geschenk genäht habe: minus 0.5 m (und ein paar Reste aus dem Schwarzbestand)

- die weiße Leinenhose, die ich mir noch für den Spring Style Along vorgenommen habe, ist heute fertig geworden - minus 2 m (und etwas Batist für die Taschenbeutel und den inneren Bund, ebenfalls aus dem Schwarzbestand), und zwei Knöpfe aus Omas Knopferbe haben auch ein neue Bestimmung gefunden:

Insgesamt also minus 5.5 Meter seit dem letzten Treffen.
Hinzugekommen sind neben den oben gebeichteten 2 Metern noch ein weiterer Meter Jersey, der ein Weihnachtsgeschenk für den besten Ehemann von allen werden soll. 

Unterm Strich lagern nun noch 26.8 m in meinem Bestand. Darunter meine geplante Schluppen-Sorbettobluse, die immer noch  zugeschnitten in der Plastikhülle liegt - sie wird jetzt aber als nächstes unter die Maschine genommen. Allmählich taugt ja auch das Wetter für luftige Blusen. Zum Herbst hin stehen auch noch zwei Hosen auf dem Zettel, das sind auch gleich vier Meter weniger, und im Hosen nähen habe ich inzwischen so was wie Übung. Ein Mantel (drei Meter) steht auch noch auf dem Plan - damit wäre dann mein Ziel von unter 20 Metern Bestand erreicht. Klingt also immer noch machbar.

Aber noch einmal zurück zu meinem Ringelsweat und den Tipps  unserer Gastgeberin..
 Einer davon lautet nämlich, gekaufte Stoffe gleich mit dem vorgesehenen Schnittmuster zusammen zu lagern (das mache ich tatsächlich gelegentlich), oder - noch besser - gleich zuzuschneiden. 
Damit ich das mit meinem Neuzugang tun kann, brauche ich eure Entscheidungshilfe. 
Ein Pullover soll es werden. So flüsterte der Stoff im Laden. Mit Kapuze, so flüsterte die nette Verkäuferin mir zu. Locker geschnitten und mit offenen Kanten (oder nach außen geschlagenen Säumen), flüsterte mein Nähgehirn. Also ist das Projekt schon recht klar umrissen.
Aus meinem Schnittmusterfundus habe ich zwei in Frage kommende Schnitte herausgesucht, jeweils aus älteren Ottobreheften. 
Welchen nehme ich nun? Der obere ist am Hals schön weit geschlossen, und ich mag die Kapuzenform. Den Schnitt habe ich sogar schon abgepaust (aber gerade an Frau Kape Anlumi verliehen), denn er basiert auf dem Ringelshirt und dem Vogelmantel. Allerdings gefällt mir die körpernahe Form nicht so, denn es soll ja ein gemütlicher Pullover werden. 
Diese Form bringt der untere Schnitt mit, an dem mir auch die seitlichen Schlitze sehr gefallen. Die Länge würde ich allerdings etwas kürzen - jedoch ist diese Variante mir am Hals ein bisschen zu offen. 
Habt ihr andere Vorschläge für einen passenden Schnitt?

Beim Nähtreffen mit Frau Kape Anlumi und Frau Dashabichselbstgemacht am vergangenen Sonntag schlug letztere vor, doch lieber eine Jacke zu nähen. Jacken kann man schneller ausziehen, so ihr Argument. Durchaus einleuchtend - aber welche?


Ich freue mich auf eure Tipps - ein Traum wäre, wenn der neue Pullover (oder vielleicht doch die Jacke?) Mitte August mit in den Urlaub an die Nordsee könnten.

Wie auch bei Frau Vigeliensch ist "weniger Fernsehen" für mich keine Option, um mehr Nähzeit zu bekommen. Genau wie sie stricke ich unentwegt abends beim Fernsehen, denn nur so bleibt mein Wolle-Lager unter Kontrolle. Schön, wenn man mit seinen Schwierigkeiten nicht alleine ist 😊

Wie es den anderen Teilnehmerinnen ergeht? - Hier entlang, bitte!

Ich bin gespannt, wie wir uns in acht Wochen beim nächsten Termin gemausert haben. Ich persönlich finde jedenfalls, dass mir die Stoffdiät gut bekommt. Danke, liebe Küstensocke!

Mittwoch, 5. Juli 2017

Wenn jetzt Sommer wär...

... dann würde ich meine neue Tunika tragen.


Heute ist der letzte MeMadeMittwoch vor der Sommerpause, das Thema lautet "Ich packe meinen Koffer".  Und wie ich zu einem sommerurlaubstauglichen Basicteil gekommen bin, das sich schon perfekt bewährt hat, erzähle ich heute hier.

Schon im letzten Herbst hatte ich mir diesen leichten Baumwollbatist auf dem Stoffmarkt gekauft, für den ich mir eine luftige Sommertunika vorstellte.


In der aktuellen Ottobre war dann DER Schnitt enthalten: "Casual Friday", ein Tunikakleid mit Stehkragen, 3/4 Ärmeln, aufgesetzten Taschen und Bindegürtel.Vielleicht ein bisschen länger als geplant, aber insgesamt genau meins.

Es dauerte dann aber doch noch bis zum Sewing by the Sea, bis ich die Tunika in Angriff nahm. Was nicht ganz so schlimm war, denn bis Mitte Mai war es ohnehin noch viel zu kalt um überhaupt an leichte Sommerkleidung zu denken.


Nähen lässt sich die Tunika relativ einfach. Am Schwierigsten fand ich den Besatz der Knopfleiste. Das Schnittteil hat eine sehr abenteuerliche Form, und man muss es raffiniert falten (und bügeln!), damit es passt, wie es soll. Alles andere, selbst die Knopflöcher, war gut zu bewältigen.
Für die Stoffdiät schlägt die Tunika mit 1.70 m zu Buche in der Juni-Statistik. Gar nicht so schlecht!


Der Stoff hat zwei schöne Seiten, eine mit feinen Längsstreifen, die andere ist quer gestreift. So habe ich den Knopfleistenbesatz, Stehkragen, Ärmelmanschetten und auch die aufgesetzten Taschen mit der linken, quergestreiften, Seite nach außen genäht. Auf dem Foto unten kann man das ein bisschen erkennen.

Beim Nähen der kniffligen sichtbaren Nähte kam mein neuer Freund, der Kantensteppfuß wieder zum Einsatz, und so sind sie alle Nähte schön akkurat geraten.


Mit der Fertigstellung der Tunika habe ich ein bisschen gebummelt, und so habe ich tatsächlich die letzten Nähte am Tag vor der Abreise nach meinem geliebten Usedom genäht.

 Den vorgesehenen Bindegürtel aus dem Blusenstoff habe ich zwar zugeschnitten, aber bisher noch nicht genäht (und vermutlich lasse ich das auch endgültig bleiben). Falls ich die Bluse mit Gürtel tragen sollte, würde ich dazu eher einen "echten" Gürtel aus Leder dazu wählen, und - zur Abrundung des Outfits - passende Schuhe. 

Im Usedom-Urlaub kam die Tunika dann an einem der wenigen heißen Tage, die wir bisher hier im Norden hatten, grandios zum Einsatz - hier am Strand von Bansin.

Die vorgesehene Länge habe ich belassen, die Tunika endet bei mir etwa eine Handbreit über dem Knie, hinten ist sie etwas länger.
Beim Ärmel musste ich ein bisschen tricksen, der war etwas zu weit für die Armausschnitte (das Problem habe ich öfters, es kann aber daran liegen, dass ich beim Zuschnitt immer nicht so ordentlich arbeite 😟). Hier habe ich eine Kellerfalte gelegt, um die Mehrweite loszuwerden. Die Falte sitzt auf der Schultermitte - wenn ich mir das Bild so betrachte, hätte ich sie wohl besser ans vordere Ende der Passe verlegt. Egal - bleibt so.

Anfang Juni, als die Bilder entstanden sind, war die Ostsee noch ganz schön kalt (15-16°C) - beim rechten Foto ist mir grade eine Welle bis zum Oberschenkel geschwappt.
Das hat mich allerdings nicht davon abgehalten, wenige Minuten nach Entstehen der Fotos ein Bad zu nehmen. Herrlich!

Ich muss sagen, ich diese Tunika ergibt ein wunderbares Basic-Teil . Der Stoff ist sehr luftig, daher gerade an heißen Tagen sehr angenehm. Am Strand ergibt die Tunika mit Leggings ein lässiges Outfit, das einem auch beim Umziehen hilfreiche Dienste leistet. Aber mit einer schmalen Hose zusammen ist sie auch bürotauglich zu stylen - ich bin wirklich begeistert!

Mitte August geht es für ein paar Tage nach Texel, da wird das Lieblingsstück auf jeden Fall wieder in den Koffer gepackt. Und hoffentlich gibt es vorher noch ein paar Sommertage, an denen ich sie auch wieder tragen kann.

Bis zu meinem nächsten Urlaub sind es noch ein paar Wochen - und für diejenigen unter uns, die auch noch ein bisschen Zeit überbrücken müssen, teile ich hier ein bisschen Ferienstimmung von meiner Lieblingsinsel Usedom:

Zum Pflichtprogramm gehört jedes Mal eine Radtour nach Swinemünde entlang der tollen Strandpromenade, die 12 km am Strand entlang führt. Die Grenze ist mittels der Baken markiert, der Holzbohlenweg folgt dem Grenzverlauf bis zum Strand. Aber ansonsten ist nicht zu merken, dass man ein anderes Land betritt. Sogar die leckeren Gofry kann man am Waffelstand mit Euro bezahlen.
Für mich ist es eine ganz wunderbare Sache, dass Länder so zusammenwachsen und man ohne Formalitäten einfach über die Grenze hopsen kann.
Fisch gehört natürlich auch zum Inselurlaub. Überall kann man Räucherfisch kaufen (mjam!), besonders schön an den Salzhütten in Koserow. Dort hat man alles ein bisschen touristisch aufbereitet und entsprechend dekoriert, dass es fast schon kitschig ist - aber die schönen Spruchtafeln, die an jeder Ecke mit plattdeutschen Weisheiten belehren finde ich klasse.


 Der Strandkorb darf natürlich auch nicht fehlen. Dieses Foto beinhaltet für mich die perfekte Urlaubsstimmung - Meer, blauer Himmel, feiner weißer Sand, Strandkorb - und die freche Möwe, die auf Beute lauert. Hach...

Euch allen schöne Ferien, und an das MMM-Team ganz lieben Dank für die Organisation und auch die neuen Ideen, die in diesem Jahr umgesetz wurden. Weiter so!

Mittwoch, 28. Juni 2017

Sonntagsspaziergang mit Frau Frida

Wenn es so ganz heiß ist (was in diesem Sommer bisher eher selten der Fall war), finde ich leichte Tops aus Webware optimal. Solche, die locker sitzen und schön die Luft durchlassen, damit man in der Hitze nicht unversehens der Kernschmelze erliegt.


Solch ein Top ist Frau Frida von Fritzi / Schnittreif.
Ein ganz einfacher Schnitt: Vorderteil, Rückenteil. Vokuhila-Form. Angeschnittene Ärmelchen ähnlich wie bei einem Kimono. Und super einfach und schnell genäht. Ganz nach meinem Geschmack - und noch dazu für Webware gedacht. So etwas findet man selten, finde ich.

Diese Frau Frida habe ich vor etwa drei Jahren zu Beginn meiner Nähkarriere genäht. Damals gab es den Schnitt als kostenlose Beigabe zur Handmade Kultur und überzeugte mich sofort als anfängertaugliches Modell. Zumal ich mich damals noch nicht an Jersey traute.

Der bunte Stoff ist eigentlich ganz untypisch für mich und entspricht auch gar nicht meinem Beuteschema: Braun kommt in meiner Garderobe nicht vor, und auch das wilde Paisleymuster ist mir eigentlich zu doll. Ich erinnere mich allerdings, dass ich mich spontan in das Online-Angebot bei Tante Änni verliebt hatte und den Stoff unbedingt haben musste. Ihr kennt das sicher, zu Beginn der Nähkarriere stürzt man sich auf jeden Stoff, der irgendwie ansprechend ist, ohne konkrete Idee. Dies führt zu den bekannten Stoffgebirgen, die schließlich mittels Stoffdiät abgebaut werden müssen...



Bei diesem Material hier handelt es sich um eine ganz leichte, weiche Baumwolle, genau richtig für den sommerlichen Schnitt.
Alle Säume habe ich, anders als in der Anleitung vorgesehen, mit orangem Schrägband eingefasst.Und das noch ohne den inzwischen von mir hoch geschätzten Schrägbandeinfasser.


Als die Temperaturen es endlich einmal hergaben, Frida auszuführen, habe ich die Gelegenheit gleich genutzt, und der beste Ehemann von allen musste beim Sonntagsspaziergang "Modefotos" anfertigen.

Hier spazieren wir um den Teich, der am Rande unseres Dorfs gelegen ist. 10 Minuten von der Haustür entfernt, und schon ist man in einem kleinen Paradies. Im 15. Jahrhundert betrieben hier Kapuzinermönche eine Karpfenzucht mit einem ganzen System an Teichen. Diese fielen irgendwann trocken, und dieser Teich (und einige weitere) wurden erst vor etwa 20 Jahren wieder geflutet. Heute tummeln sich hier sehr viele Vögel zur Brut - einmal habe ich sogar einen schwarzen Schwan gesehen.

Zusammenfassung des Tops:
Schnitt: Frau Frida, z. B. über Makerist
Stoff: 80 cm leichte Baumwolle, Baumwollschrägband (ca 3m)
Änderungen: von Taille zur Hüfte von M nach L verbreitert, Säume mit Schrägband eingefasst.

Noch mal? - auf jeden Fall. Eine zweite Frida gibt es schon, etwas dezenter und sogar mit passender Strickjacke drüber herbsttauglich zu stylen, gezeigt hier.

Wie ist das bei Euch? Habt ihr auch solche "Stoffunfälle" erlebt im Laufe der Zeit? Habt ihr noch Teile aus den Anfängen eurer Nähkarriere, die heute nicht mehr eurem Stil entsprechen, die ihr aber trotzdem noch in eure Garderobe integriert habt?

Diese Frage stelle ich heute zum MeMademittwoch.

Sonntag, 25. Juni 2017

Drei Farben - Blau, Weiß....Rot!

Seit Ende April schon stricke ich an einer eigenen Idee. Ein Schal soll es werden, aus den Resten der Garne von meinem heiß geliebten Hint of Summer.: Ito Washi (aus Papier und Viskose) und Ito Shio, ein ganz dünner Merinofaden (beides von hier).

Über die Anfänge und ersten Schwierigkeiten beim blauen Teil habe ich hier geschrieben.

Nachdem die Formgebung schließlich gelöst war, machte ich mich an den mittleren, weißen Streifen.

Auch hier war es so, dass mein ursprünglicher Plan nicht ganz aufging. So ist das wohl, wenn man eine Idee im Kopf hat, aber noch keiner eine Anleitung dazu geschrieben hat 😊

Der Rand wellte sich ganz furchtbar, und nachdem ich bereits zwei Drittel der Länge in weiß gestrickt hatte, ribbelte ich alles noch einmal auf und änderte die Konstruktion.

Und schließlich passte es!





Das Rippenmuster habe ich beibehalten, aber im weißen Bereich kippt es nun zur Seite und zeigt genau den Effekt, den ich erzielen wollte.

 
Beim Maschenfein-Treffen in Berlin hatte ich den Schal mit, da er ein ideales Unterwegs-Projekt abgibt. Beim Treffen selbst habe ich daran keine Masche gestrickt, wohl aber auf der Hin- und Rückfahrt:

 Und inzwischen bin ich so weit, dass auch der rote Teil, der sich viel kooperativer zeigte als die anderen beiden Kameraden, ebenfalls abgeschlossen ist:

Ich bin ganz angetan von meinem Werk. Das Muster verhält sich genau, wie es soll, und Farben und Garne sind ohnehin Lieblinge von mir geworden.
Insbesondere gefällt mir der Gegensatz zwischen dem feinen Garn und dem eher groben Effekt, den das Muster abgibt.

Nun fehlt dem guten Stück noch eine I-Cord-Umrandung. Das wird wohl wiedere eine langwierige und langweilige Sache werden. Aber ich finde, dass so ein Abschluss das I-Tüpfelchens eines Tuchs ist.
Anfang August soll der Schal fertig sein, denn dann wird er verschenkt werden.
Eine Anleitung ist ebenfalls in Arbeit, die findet ihr dann auf Ravelry, sobald das Projekt abgeschlossen ist.

Mein Schal-Zwischenstand geht nun zu Maschenfein - auf den Nadeln im Juni.







Mittwoch, 21. Juni 2017

Wenn Stoffe sprechen...

In meinem Stoff-Vorrat befand sich ein sehr schön anzufassender Jersey (ich glaube, von Swafing) in rosa mit großen pinkfarbenen Punkten. Den hatte ich im letzten Jahr im Stoffladen auf der Puppe drapiert gesehen und mich sofort verliebt (Beuteschema und so...), woraufhin ich so lange an der Verkäuferin rumgequengelt habe, bis sie mir den Stoff (sogar noch mit Rabatt als Rest für sagenhafte 11 EUR) verkauft hat. 
"Ich möchte eine Frau Liese als Sommerkleid werden", so hatte der Jersey zu mir gesprochen. Das würde ein famoses Gute-Laune-Kleid werden!

Wie es dann so ging, habe ich den Stoff letzten Sommer nicht mehr vernäht. Im Rahmen der Bestandsaufnahme für die Stoffdiät und des Spring Style Alongs in diesem Frühjahr erlosch meine Begeisterung vorübergehend. So knallig? So große Punkte? Trägt das Muster nicht auf? Sehe ich am Ende aus wie Miss Piggy?

Also wanderte der Stoff in die Kategorie Problemstoff, zusammen mit einem türkisen Jersey, zu dem mir auch keine rechte Idee einfallen wollte. (Dieser ist inzwischen ebenfalls vernäht, manchmal braucht es eine Weile, bis die Erleuchtung eintritt. Dazu aber ein andermal.)

Kurz vor Ostern, als wegen der Renovierung meiner Nähstube eine längere Nähpause drohte, brauchte ich ein schnelles Projekt, das sich vorher noch abschließen lassen würde. Der pinkfarbene Stoff wurde hervorgeholt, zugeschnitten und flugs vernäht.

Das Ergebnis, das ich vor der damals in voller Blüte stehen Forsythienhecke fotografiert habe, überzeugte mich dann doch. 

Zwar knallig und nicht bürotauglich, aber lustig und für die Freizeit genau richtig.
Ich habe am ursprünglichen Shirtschnitt eine kleine Anpassung vorgenommen und den Ausschnitt etwas steiler zugeschnitten, das habe ich bei meinem anderen Liesenkleid (hier ) und beim zweiten Shirt (hier) auch schon so gemacht. Mir passt der Schnitt so besser, und die Ausschnittkanten verlaufen da, wo ich sie haben will. Den Rock habe ich wie üblich selbst dazu gebastelt. (Irgendwann muss ich den Rockteil auch Mal auf Papier festhalten...)

Es folgte ein langer kälter April, und erst Mitte Mai beim Nähtreff auf Schloss Noer wurde es warm genug, die Liese auch auszuführen. Die liebe Kape Anlumi hat die Fotos auf dem Schlossgelände angefertigt:


Mein Fazit:
- Stoffe, die mit konkreten Projekten zu einem sprechen sollte man ernst nehmen.
- Manchmal muss man ein bisschen mutig sein.
- Und sowieso braucht die Welt mehr Pink!

Ich bin total glücklich mit dem Kleid, es ist bequem und macht gute Laune.

Damit geht Frau Liese zum MeMadeMittwoch, und ich schaue mal, was heute auf dem virtuellen Laufsteg geboten wird. Frau 700Sachen führt den heutigen Reigen als Gastbloggerin an mit einem sehr interessanten Beitrag über Schnittänderungen von normalen Schnitten zu Umstandskleidern - und weckt Fernweh mit tollen Fotos aus dem Süden.

Sonntag, 18. Juni 2017

Ein (Maschen)Feines Treffen!

Am vergangenen Wochenende war es endlich soweit: Das erste offizielle Treffen von Maschenfein fand statt in Berlin.
Etwa 30 Strickverrückte Frauen, die einen der knappen Plätze ergattern konnten, trafen sich in der Dawanda Snuggery, um einen Tag lang zu stricken, zu plaudern und aus virtuellen Freundschaften echte Bekanntschaften zu schließen.

Schon Wochen vorher köchelte die Vorfreude in der Facebook-Gruppe immer höher, und die Erwartungen waren hoch. Und sie wurden noch übertroffen - aber der Reihe nach.

Für mich startete die Reise nach Berlin etwas holprig. Mutig und trendbewusst hatte ich ein Flixbus-Ticket gebucht, um zwei Minuten vor Abfahrt per SMS darüber informiert zu werden, dass mein Bus um 11 h nicht kommen würde, sondern ich auf 17 h umgebucht sei. Alle Mitreisenden teilten dieses Schicksal, und nachdem der erste Ärger verpufft war, taten sich verschiedene Fahrgemeinschaften zusammen. Ich hatte das Glück, eine Mitfahrgelegenheit im Auto zu ergattern, mit einer Frau, die zu einer Fortbildung nach Berlin musste, und einer älteren Dame, die ihren Sohn besuchen wollte. Das erste Mal in meinem Leben fuhr ich quasi per Anhalter, und es war eine ganz unterhaltsame Reise.

In Berlin angekommen, bestand die nächste Herausforderung darin, zum Hotel zu gelangen. Ich bin Expertin darin, bei U- und S-Bahnen in die falsche Richtung einzusteigen und den falschen Ausgang zu wählen. Aber schließlich konnte ich einchecken und machte mich gleich auf den Weg zu meinem ersten Ziel an diesem Tag: PAUL KNOPF in Kreuzberg.

Über den Laden hatte ich einmal gelesen, und ich muss sagen - er lohnt unbedingt einen Besuch! Drin durfte ich leider nicht fotografieren, aber auf dem rechten Bild gewinnt man einen Eindruck über das Geschäft: Es ist von oben bis unten vollgestopft mit Knöpfen in allen Farben, Formen und Materialien. Dazu zwei Bedientresen von Anno Tobak, dahinter zwei sehr unterhaltsame Verkäufer (darunter Paul himself), die sich intensiv mit den Wünschen ihrer Kundschaft auseinandersetzen und geduldig Knopfschachtel um Knopfschachtel aus den Regalen fördern. Das bedeutet Wartezeit - aber die ist so unterhaltsam, dass die Zeit wie im Fluge vergeht.
Im Idealfall geht man mit einem konkreten Projekt hin und lässt sich beraten - ich allerdings habe trotzdem hübsche Beute gemacht und blaue Perlmuttknöpfe und Holzknöpfe mitgenommen, und nebenbei einiges über Knöpfe gelernt.

Sehr zufrieden machte ich mich dann auf den Weg zum Potsdamer Platz, um wenigstens ein bisschen Touri-Atmosphäre zu atmen.

Das wunderbare Zeltdach ist einfach immer noch ein Hingucker, und es macht sehr viel Spaß, das Treiben darunter zu beobachten. Zeit war nur für ein - sehr teures, aber auch sehr leckeres - Eis, bevor es Zeit wurde, zum vereinbarten Treffpunkt für das Abendessen zu starten. Eine der Mitstrickerinnen war so nett, ein "Blind Date" zu organisieren bei einem Italiener mit sagenhaft großen Pizzen und einer ansprechenden Cocktailkarte. Und das Essen war ein voller Erfolg. Sechs Frauen trafen sich, und es gab keine Fremdelei, keine Zickerei, sondern von Anfang an munteres Geplauder und Geschnatter. Schnell wandten wir uns ab vom Stricken, sondern quasselten über dies und das, und die Zeit verging wie im Flug.

Das Highlight war aber natürlich der Samstag. Beim Auschecken an der Hotelrezeption wurden meine Freundin und ich von einer wildfremden Frau bestürmt: "Fahrt ihr auch zum Stricktreffen? - Ich hab dich an deinem Pullover erkannt!" (Ich trug meinen Hint of Summer) "Nehmt ihr mich mit?" Erst ein paar Minuten später fiel uns ein, uns einander vorzustellen, und schon war der erste Lacher da und das Eis gebrochen.
Um 10 Uhr quoll die Snuggery über von strickbegeisterten Maschenfeinfans.
Frau Maschenfein hatte jede Menge Garnproben von Ito und Lamana spendiert, und die Chance, die exotischen Garne probezustricken, wurde eifrigst genutzt. Auch die Farbmusterbücher von Lamana, Ito und Pascuali wurden fleißig studiert, ebenso wurde der große Haufen fertig gestrickter Modelle aus maschenfeinen Garnen befühlt, probiert und beliebäugelt.
Es gab sogar maschenfein-Kekse! Und wiederum nette Getränke 🍸🍷🍹

Die Snuggery selbst gefiel mir auch ausgesprochen gut. Neben feinen Kuchen, kleinen Snacks und leckeren Smoothies gibt es auch viele Nettigkeiten zum Bestaunen und auch kaufen. In so einer ansprechenden Atmosphäre war es ein Leichtes, mit den Stricknachbarinnen ins Gespräch zu kommen.

Wie auch bei den Nähtreffen, die ich bisher besucht habe, war es auch hier so, dass es keine Zickereien gab, sondern lauter offene, freundliche, nette Frauen, die die gleiche Leidenschaft teilen. Die virtuelle Welt gaukelt einem ja häufig eine Vertrautheit vor, die in der analogen Welt keinen Bestand hat. Hier allerdings ist es mir mit einigen passiert, dass man aufeinander zuging und sich gleich fühlte, als kenne man sich schon ewig. Ganz wunderbar. Dazu natürlich die Fachsimpelei über Strickprojekte, die Garne, und was man daraus machen kann - insgesamt ein ganz ganz gelungenes Event! (Hierbei auch noch einmal ein ganz dickes DANKE an die Organisatorinnen!)
 
Jede Teilnehmerin erhielt als Geschenk das Maschenfein-Notizbuch mit Platz für Notizen, eigene Musterideen und Etiketten zum Beschriften von Maschenproben. Klasse!


Zum Stricken bin ich kaum gekommen. Ich habe mich ausschließlich auf die Ito-Garne gestürzt, die ich hier einmal kurz vorstelle:
linke Probe - von oben nach unten:
- Ito Gima 8.5: schmalesBändchengarn mit schönem Glanz aus 100% Baumwolle, hier in der Farbe Dahlia. Mich hat die ziemlich steife Haptik des Garns sehr erstaunt. Durch die Wäsche soll es weicher werden. Bei den fertig gestrickten Modellen war ein Tuch aus diesem Garn dabei, dass zwar sehr leicht war, aber immer noch ein bisschen hart. Meine Probe habe ich einfädig mit Nadel 2.5 gestrickt, und das Maschenbild sagt mir, dass eine halbe Nadelstärke durchaus angesagt wäre. Für ein leichtes Sommertop kann ich mir das Garn sehr gut vorstellen, würde aber einen Beilauffaden empfehlen.
- Ito Serishin: ein sehr luxuriöses Seidengarn in Bändchen- /Baststruktur, hier in der Farbe Mustard. Der wunderschöne Glanz hat mich angefixt, ebenso wie die bändchenartige Struktur. Sehr angenehm zu stricken (einfädig mit Nadel 2.5) ergibt das Garn ein hübsches Maschenbild. Für ein sehr exklusives Top ein eindeutiger Favorit, leider ziemlich teuer. Bei der super Lauflänge von 290 m  pro Kone braucht man aber wohl auch nicht sehr viel für ein Oberteil.
- Ito Kinu: ebenfalls ein Seidengarn, aber diesmal mit runder Fadenstruktur, hier in der Farbe Denim. Das Garn (Bouretteseide) wird aus Spinnresten hergestellt und zeigt daher kleinen Einsprengsel und Unregelmäßigkeiten. Überzeugt hat mich die sehr interessanten Haptik. Es fühlt sich schwer und "trocken" an, was mir unglaublich gut gefiel. Eindeutig ein Favorit - eventuell für diesen Pullover?

rechte Probe - von oben nach unten:
- Ito Gami Picot: Ein Schlaufengarn, hier in der Farbe Caramel, aus Baumwolle, Seide und Papier. Es hat eine ganz weiche Haptik durch den Baumwollanteil. Durch die Schlaufenstruktur musste ich aber erst einmal überlegen, wie man es am besten strickt. Strickt man den ganzen Faden, erhält man ein unregelmäßig strukturiertes Strickbild. Sticht man immer nur in die Schlaufen ein, ergibt sich ein puscheliges Gestrick, das mir persönlich besser gefällt. Beide Effekte kann man hier gut studieren, mein Foto gibt leider nicht viel her. Als Effektgarn für Akzente an Pullovern oder Jacken, oder auch als Einfassung für ein Tuch kann ich mir das Garn sehr gut vorstellen.
- Ito Urugami: ein Garn mit Papierkern, umsponnen mit Wolle. Meine Probe in der Farbe Sangria habe ich zweifädig mit Ito Shio gestrickt und bin sehr begeistert davon. Urugami hat einen ganz runden, glatten, festen Faden, und ist erhältlich in vielen tollen Farben. In das Knallgelb habe ich mich spontan verliebt, und mir fest vorgenommen, ein Sommertop daraus zu stricken.
- Ito Kinu Kasuri: wieder ein Seidengarn mit sehr unregelmäßiger Struktur, hier in der Farbe Brass. Sehr angenehm zu stricken, aber nicht gut zu ribbeln, da das Garn sehr leicht reißt. Die Struktur ergibt fast einen Bouclé-Effekt. Die Farben sind brilliant, allerdings ist zur Zeit keine Kombination erhältlich, die meinen Geschmack trifft. Mir persönlich ist der Farbverlauf auch zu unruhig. Gut vorstellen könnte ich mir das Garn als Akzent bei einem Pullover oder einer Jacke, um beispielsweise Kragen oder Tascheneingriffe abzusetzen.

Zum Andenken an den schönen Tag habe ich meine Materialproben in einen Bilderrahmen gesteckt, der in meinen Nähzimmer einen schönen Platz bekommen wird:

An meinem eigenen Projekt, meinem Schal, habe ich tatsächlich nur auf den Autofahrten gestrickt. Inzwischen habe ich die dritte Farbe - rot - abgeschlossen:
Der Schal bekommt noch eine I-Cord-Umrandung in weiß, und in Kürze gibt es zu diesem Projekt ein genaueres Update.

Erst einmal verlinke ich diesen Post zu Maschenfein - auf den Nadeln Juni.

Mittwoch, 14. Juni 2017

Engelchen und Teufelchen und die Zipfeljacke

Ich liebe Jäckchen. Ob gestrickt oder genäht, ich finde, Jacken kann man nie genug haben. Da ich gerne mal friere, mir aber auch genau so schnell mal zu warm ist, ist ein Jäckchen für mich da optimale Kleidungsstück. Schnell an- oder ausgezogen, ganz unkompliziert.

Seit neuestem liebe ich auch die Farbe Pink, um die ich meine Garderobe im Rahmen des Spring Style Alongs von Alex erweitert habe. Bei Stoff & Stil sprang mich ein wunderbar leichter Wollstrick direkt an und löste einen Gewissenskonflikt aus. Engelchen 😇und Teufelchen😈 lieferten sich folgenden Dialog:
😇- Es herrscht Stoffdiät!
😈- Aber ich war so tapfer und fleißig im Mai!
😇- Es wird kein Stoff gekauft!
😈- Aber die Farbe ist so toll!
😇- Sei standhaft, dann kannst du stolz auf dich sein!
😈- Ich werde ihn doch gleich vernähen, und zwar zu einer Zipfeljacke!
😇- Du brauchst aber keine Zipfeljacke.
😈- ICH WILL ABER DEN STOFF!
Damit schmiss sich das Teufelchen😈 schreiend und strampelnd auf den Boden, und produzierte dabei übelriechende Schwefelwolken. Engelchen 😇 rollte mit den Augen und verließ pikiert die Szenerie.
1,80 m des herrlichen Wollstricks wanderten in meinen Einkaufskorb.

Zu meiner Ehrenrettung sei gesagt: Ich war zweimal standhaft, und habe den Stoff erst beim dritten Besuch in der Filiale mitgenommen. Nämlich, als ich den Ersatz für den verfärbten Courtelle-Jersey abholte, der zu meinem Ringelshirt wurde. Wahrscheinlich waren die Schwierigkeiten, die ich beim Nähen des Shirts hatten, der Karmaausgleich für den zusätzlichen Stoffkauf des Wollstricks?

Wie es häufig ist, schwebte mir beim Befingern des Gewebes gleich ein Schnitt vor. Der Stoff sprach zu mir: "Ich will eine Zipfeljacke werden, die von Schneidern-naehen.de!"

Der Schnitt ist kostenlos in S, M und L erhältlich, zusätzlich gibt es eine einfache, gut nachvollziehbare Anleitung. Ich habe Größe L genäht, finde die fertige Jacke aber ganz schön großzügig. M hätte es vermutlich auch getan.

Und tatsächlich folgte ich dem gefassten Vorsatz, den Stoff gleich zu vernähen. Freitags gekauft und samstags genäht. Streng genommen zählt er also gar nicht für die Stoffdiät, weil er niemals in meiner Stoffkiste eingezogen ist.

Der Schnitt ist schnell und einfach zu nähen, so etwas gefällt mir natürlich. Allerdings empfehle ich den Einsatz einer Overlock-Maschine, das geht einfach viel schneller und vor allem sauberer als mit der normalen Maschine. Da ich natürlich keine vier Konen in pink besitze, habe ich ein bisschen getrickst und verschiedene Pinktöne aus meinem Fundus aufgefädelt:
Die Kanten des Schalkragens habe ich allerdings mit dem Rollsaumfuß und der normalen Maschine genäht. Ich fürchtete
a) dass die Pinkvorräte nicht reichen würden für einen Overlock-Rollsaum, und
b) scheute ich mich vor dem Umbauen der Ovi für den Rollsaum. Mit meiner neuen Maschine habe ich das nämlich noch nie gemacht. (Das hat sich am vergangenen Wochenende geändert, und es war ganz einfach - aber das ist eine andere Geschichte und wird ein andermal erzählt.)
So habe ich aus meinem Nähfußsortiment auch den Rollsaumfuß ausprobiert, mit dem ich bisher auf Kriegsfuß stand, und tatsächlich ein zufriedenstellendes Ergebnis erzielt. Darauf bin ich echt stolz!

Hätte ich mich getraut, den Rollsaum mit der Ovi zu nähen, wäre das Jäckchen noch schneller fertig gewesen. Aber auch so reichte ein Nachmittag zum Schnitt zusammenkleben, Stoff zuschneiden und Nähen. Alles ganz problemlos.
Den Saum und Ärmelabschluss habe ich konventionell mit der Zwillingsnadel genäht, vorher aber die für meinen Geschmack doch sehr langen Zipfel (sie reichten mir bis an die Knie) um ca 10 cm gekürzt. Die hintere Länge habe ich beibehalten.
Und so gefällt sie mir nun sehr gut, meine Zipfeljacke:
Die Fotos hat die liebe Kape Anlumi aufgenommen, beim Nähwochenende in Noer bei Eckernförde. Hier trafen sich am Muttertagswochenende knapp 30 Nähverrückte. Wer mer darüber lesen möchte: hier geht es zu meinem Blogbeitrag dazu. Es war wieder ein ganz wunderbares Wochenende!

 Bei dem grauen Wetter am Strand ist meine Jacke ein echter Farbklecks.
Das weiche Material (angeblich 100% Wolle, aber bei 40°C in der Maschine waschbar) macht noch zusätzliche gute Laune und trägt sich ganz wunderbar. Noch dazu ist die Jackemit vielen Stücken aus meinem Kleiderschrank kombinierbar. Mit langärmeligem Shirt darunter wird sie mich sicher auch im Herbst noch begleiten. Somit kann ich ganz stolz behaupten, dass ein neues Lieblingsstück meine Garderobe bereichert - und somit heute beim Memademittwoch vorgestellt werden kann.