Montag, 16. Oktober 2017

Zum goldenen Herbst: Morgentau

Im Sommer fragte mich Sandra von Meinefabelhaftewelt, ob ich Lust hätte, einen Pullover im zweifarbigen Patent testzustricken.
Lust? Klar!
Zeit hatte ich auch, und gespannt wartete ich auf Anleitung und Garn.
Vorgegeben war LINT, ein Alpaca-Gemisch aus:
54% Alpaca Superfein
24% Polyamid
22% Wolle (Merino) mit einer super Lauflänge 199m/25 g.
Umwerfend fand ich die vielen Farben, in denen das Garn angeboten wird. Die Vielfalt brachte aber auch ein Problem mit sich - welche Kombination sollte ich bloß wählen?
Den Klassiker - Dunkelblau / weiß? Rot / Weiß? Oder Mutig - Grau / Curry? Oder gar Silbergrau / Himbeere?
Die Entscheidung war schwer. Schließlich entschied ich mich für die für meine Verhältnisse halbmutige Variante in silbergrau und himbeere.

Je drei Knäuel flatterten ins Haus, und mutig stürzte ich mich auf die Maschenprobe.
Zweifarbiges Patent, oder neudeutsch Brioche, hatte ich bisher nur im Rahmen eines Musterteststricks gestrickt. Dementsprechend groß war der Respekt vor dem Projekt.

Allen Zauderern kann ich aber versichern: Brioche ist keine Raketenwissenschaft, wenn man das Prinzip verinnerlicht, jede Reihe erst in der einen und dann in der anderen Farbe jeweils hin- und zurück zu stricken. Grundsätzlich ist es nicht meine Stärke, mich genau an Anleitungen zu halten - hier habe ich mich beherrscht, und so war der Pullover recht schnell gestrickt.
Was ich besonders spannend fand während der Arbeit war der unterschiedliche Effekt, der sich auf der Vorder- und der Rückseite ergibt. So stand denn vor dem Zusammennähen der Einzelteile die nächste schwere Entscheidung an: Welche Seite soll denn nun außen sein?



 Am Ende wurde es die Seite mit dem größeren Pinkanteil.
Auf die Ferne sieht das Muster ein bisschen nach Tweed oder Fischgrat aus, findet ihr nicht?

Die Maschen der Schulterpartien habe ich zusammen abgekettet und mir so das Zusammennähen erspart. Gerade bei dem feinen Garn und dem luftigen Muster finde ich das eine ordentliche Methode. Die Ärmel habe ich angehäkelt und auch die Seiten- und Ärmelnähte mit Kettmaschen geschlossen.

 Einzig bei der Kragenfarbe bin ich von der Anleitung abgewichen. Eigentlich ist der Kragen in der Kontrastfarbe, bei mir Himbeer, gedacht. Da aber die Anschlagkanten alle in silbergrau gearbeitet sind und also alle Säume grau erscheinen, gefiel mir der fertige Kragen in Himbeer überhaupt nicht am Pullover - viel zu krass. Also habe ich den Kragen aufgetrennt - was bei dem Garn gar nicht so einfach ist, da es sehr hakelig ist.
Der neue graue Kragen ist nun etwas dezenter:

Und mit den insgesamt 150 g Garn bin ich bei Größe L sehr gut ausgekommen! Damit ist der Pullover ein echtes Leichtgewicht, der aber trotzdem erstaunlich wärmt. 
Das Garn ist weich, die Oberfläche allerdings etwas struppig, weshalb es gern aneinander hakt. Wer pieksigere Wolle oder Mohair nicht verträgt, dem würde ich eher zu alternativem Garn raten. Durch das luftige Muster muss man ohnehin eine Bluse oder Top unter dem Pullover tragen - mit ganz empfindlichen Hautpartien kommt das Garn also nicht in Kontakt.

Der fertige Pullover sitzt schön locker, eine Größe kleiner hätte mir sicher auch gereicht. 
Die Ärmel finde ich persönlich etwas lang, aber das ist im Original so gewollt, da sie geschoppt getragen werden sollen. Da die Ärmel von unten nach oben und als Einzelteile gestrickt werden, empfiehlt sich hier vorheriges Abmessen der gewünschten Länge an einem bestehenden Kleidungsstück, falls die Ärmel regulär lang ausfallen sollen. 

Beim Teststrick wurden noch einige Unklarheiten beseitigt, Tippfehler korrigiert und an Formulierungen gefeilt - und nun ist die Anleitung samt Garn im Shop von Meine fabelhafte Welt erhältlich. 

Aktuell ist bei mir auf den Nadeln schon der nächste Teststrick:

Was es wird, darf ich nicht verraten - nur so viel: es wird warm und kuschelig!

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Mittwoch, 11. Oktober 2017

Frau Marlene invers

Im Laufe des Sommers häuften sich in den Blogs Beiträge, die Frau Marlene zeigen, ein Basic-Shirt von Fritzi Schnittreif.
Der schlichte Schnitt mit dem gewissen Etwas gefiel auf Anhieb, und als es eine Rabattaktion gab, wanderte er sogleich in meine Sammlung. 
Dort lag er dann noch ein Weilchen unangetastet. Denn – ihr glaubt es nicht – ich hatte keinen passenden Stoff. Durch meine Stoffdiät habe ich meine Bestände so weit runtergefahren, dass für Neuzugänge auf der To-Sew-List einfach kein Material vorhanden ist.
Gute Ausrede, um neue Stoffe zu shoppen. Bei Myo-Stoffe gab es Anfang August schließlich dann einen Treffer – passende Bio-Jerseys von Stenzo. MEINE! (Es hat sich auch noch ein Pusteblumen-Jersey hinzugemogelt, aber das ist eine andere Geschichte und wird ein andermal erzählt…)


Also wanderten zwei Frau Marlenes ganz nach oben auf die Nähliste, und wurden tatsächlich an einem Sonntag bei KaPe AnLuMi fertiggestellt.

Ausgedruckt und geklebt ist der Schnitt sehr schnell, es sind nur vier Teile. Der Schnitt beinhaltet Ärmel in drei Längen (kurz, ¾ und lang), mit meinen jeweils 1 m Stoff musste ich mich mit halblangen Ärmeln begnügen – mehr war einfach nicht herauszuholen.
Genäht ist der Schnitt ebenfalls schnell, besonders mit der Overlock. Einzig die Versäuberung des Halsausschnitts bereitet mir etwas Sorge. Versäubert und umgeklappt, wie in der Anleitung beschrieben, steht bei mir vorne ein bisschen labberig ab. Auf dem unteren Foto kann man das bei dem weißen Shirt etwas sehen. Beim blauen Shirt habe ich den vorderen Ausschnitt daher mit Nahtband bebügelt, was etwas Linderung brachte. Beim nächsten Mal würde ich wohl den Ausschnitt für mehr Stand mit einem Jerseystreifen von innen versäubern.
Ich habe zwei Jerseys mit gleichem Muster, aber unterschiedlichen Farben verwendet. So lag  es nahe, die Schulterstücke, die den weiten U-Boot-Ausschnitt verzieren, im jeweils anderen Stoff zu vernähen. So habe ich nun zwei Frau Marlenes, von denen eine das Negativ der anderen ist.

Und damit ich weiß, wo vorne und hinten ist, habe ich auch meine Label mal wieder ausgekramt und eingenäht – voilá:

Mit der Passform bin ich sehr zufrieden, genäht habe ich Größe L und die sitzt körpernah, aber dennoch bequem.
Der Schnitt überzeugt mich so, dass ich mir gut vorstellen kann, noch weitere Marlenes zu nähen. Dann aber unbedingt in der langärmeligen Version aus etwas wärmerem Material. Es ist doch schade, dass ich meine halbärmeligen Shirts zur Zeit unter Jäckchen verstecken muss, denn dann sieht man genau die raffinierte Schulterpartie NICHT. 


Verlinkt zum MeMadeMittwoch, der wöchentlichen Plattform für selbstgenähte Kleidung.
Und zu Ich näh Bio









Mittwoch, 27. September 2017

Pink: Die Farbe der Wahl

Seit Mitte August strickte ich an meinem neuesten Projekt, dem Pullover "Besjes" von Celloknits.
Im Juni gab es die neu erschienene Anleitung kostenlos bei Ravelry, und der Pulli gefiel mir auf Anhieb so gut, dass ich gleich zugeschlagen habe.

Über die Anfänge des Projekts und die Garnwahl hatte ich hier bereits berichtet.
Wie vermutet, hat mich das Strickstück geraume Zeit begleitet. Gestrickt habe ich die Variante mit dem weiteren Halsausschnitt.
Im Urlaub habe ich den Körper geschafft und den ersten Ärmel begonnen, dann packte mich allerdings das "Second Sleeve Syndrome", und die Fertigstellung zog sich hin. 
Die Konstruktion von Besjes ist interessant: gestrickt wird erst der Körper von Schulter zu Schulter, die Seiten werden mittels Matratzenstich geschlossen. Dann werden die Ärmel gearbeitet, und zum Schluss werden am Hals und Saum Bündchen angestrickt. Anpassungen an Länge oder Weite sind allerdings kaum einzuarbeiten, da man während des Strickens nur ganz schlecht anprobieren kann.
Bei der Ausarbeitung habe ich mir Raum für individuelle Interpretation gelassen.
Zwei lange Nähte mit Matratzenstich zu schließen kam für mich schlicht nicht in Frage: viel zu viel Gefummel. so habe ich schlichtweg die beiden Seitennähte mittels Three-Needle-Bind-off abgekettet und so eine sehr ordentliche Naht erreicht. (Nebenbei - ist die Farbe nicht einfach mega?)
 
Alle Bündchen habe ich außerdem in der Kontrastfarbe gestrickt - das Original sieht nur die Naht vorne und hinten in Kontrastfarbe vor. Das allein war mir allerdings zu eintönig. Das rotlila von Drops Alpaka gibt einen schönen Kontrast, wie ich finde.
Nachdem ich also das Ärmeltief überwunden und die Bündchen an Ärmeln, Hals uns Saum gemäß der Anleitung gestrickt hatte, ergab die Anprobe des gebadeten, gespannten und getrocketen Pullovers: die Bündchen sind oben und unten zu eng. Der Kopf passt kaum durch das Halsloch, und unten spannte das Bündchen gewaltig. Also Plan B - auftrennen und I-Cord stricken.
Ein I-Cord ist elastisch und gibt immer einen sauberen Abschluss - meiner Meinung nach lohnt sich die Mühe. Und so ist mein etwas abgewandelter Besjes nun fertig:


Am vergangenen Wahlsonntag durfte Besjes mit ins Wahllokal. Wie schlau von mir, etwas anzuziehen, dass überhaupt keine Rückschlüsse auf meine politischen Präferenzen zulässt!
Allerdings hatten viele beigefarbene Rentner eine ähnliche Idee...
Üblicherweise trage ich gern dunkelblau. Diese Farbe ist aber in der Politik inzwischen leider von den Schreihälsen der AFD (die selbst bei uns im Dorf sagenhafte 11% gewählt haben) belegt - damit wollte ich nicht in Verbindung gebracht werden.
Pink und grau schien mir eine unverfänglichke Kombi.


Das Wahllokal ist in unserer Grundschule, und im Schulgarten konnte ich den Herzensmann überzeugen, schnell ein paar Tragefotos zu schießen:
 Wie man auf diesem Foto sehen kann, ist der Pullover sehr körpernah geschnitten. Die Ärmel dagegen sind eher weit. Insgesamt ist er aber sehr bequem und durch die Bouretteseide des Garns zum einen leicht und zum anderen luftig zu tragen.

 So angezogen finde ich die Kontrakststreifen und -bündchen gleich noch mal so gut, und ich bin auch froh, dass ich mich für den weiteren Ausschnitt entschieden habe.
Ich hoffe nun bloß, dass das Wetter noch ein bisschen mild bleibt, so dass das schöne Pullöverchen noch ein wenig getragen werden kann.

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Memademittwoch
Maschenfein - auf den Nadeln September
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Häkelline
Stricklust




Montag, 18. September 2017

Ferien-Hoodie



Springstoffe.
Ihr kennt das. Stoffläden arbeiten auf tückische Weise mit einem Vakuum, das arglose Kundinnen ins Ladeninnere hineinsaugt. Und dort ist man hilflos Springstoffen ausgeliefert.
Sie flehen einen an: "Nimm mich mit!"
Sie stellen fest: "Ich will ein Hoodie werden!"
Sie flüstern in dein Ohr: "Ringel gehen IMMER!"
Und irgendwann ergibt sich frau ihrem Schicksal, und der Mann, der vor dem Vakuum-Sog merkwürdigerweise gefeit blieb und mehr oder weniger geduldig vor dem Laden  wartet, rollt heimlich die Augen über die Tüte, die in den Kofferraum wandert.

So geschehen mit diesem wunderbaren Sommersweat, der mir auf Usedom zugelaufen ist (was ich bisher stofftechnisch als ungefährlichen Fleck eingeordnet hatte, aber auch hier gibt es nun ein nettes Stofflädchen).
Schon im Laden nahm ein Hoodie in meiner Vorstellung Gestalt an. Der Stoff schrie geradezu nach offenen, nach außen umgeschlagenen Kanten - es fehlte nur der rechte Schnitt.
Ich bin bekennender Ottobre-Fan, und die Durchsicht der vorhandenen Hefte ergab zwei Favoriten - schlussendlich ist, nach Beratung mit einigen Nähfreundinnen, die obere Variante "Get Moving"  aus Heft 5/15 geworden, ab den Achseln allerdings etwas weiter zugeschnitten.

Der Zuschnitt war so eine Sache. Denn obwohl der Sweat nicht ganz billig war, hat er sich beim Waschen derbe verzogen:
 Um kein Streifenfiasko zu fabrizieren, musste ich daher etwas herumtricksen, bis ich alle Schnitteile vernünftig untergebracht hatte.

Das Nähen wiederum war erst einmal keine große Sache. Die tollen Sattelärmel habe ich schon mehrfach genäht, u. a. beim Ringelshirt und dem Vogelmantel, bei dem auch die gleiche Taschenvariante genäht wird:

Bei der Kapuze habe ich die Innenkante nach außen geklappt, so entsteht der Tunnelzug für die Kordel.

 Die schmalen roten Streifen sind doch ziemlich dezent, und damit der Hoodie nicht so sehr nach Bademantel aussieht, habe ich alle Nähte, an die ich noch herankam, mit dem Hexenstich noch zusätzlich abgesteppt, und auch die Kapuzenkordel noch mit roten Kordelstoppern und Endstücken versehen.
 

Gerade rechtzeitig zum Sommerurlaub auf Texel war mein Hoodie dann fertig: 



 ... und ich finde ihn genau richtig!
Inzwischen hat er sich auch abseits vom Strand zu einem Lieblingsstück gemausert, denn er ist bequem und warm, und hat praktische Taschen, in der ich die Tempos für meine Triefnase verstauen kann.

Mein Hoodie wandert nun zum MeMadeMittwoch  - ich bin gespannt, was die anderen Damen heute zeigen.



Meine Interpretation von Sorbetto

Obwohl es jetzt schon deutlich Herbst werden will, zeige ich euch am heutigen MeMadeMitwoch noch einmal ein sommerliches Blüschen, das ich für diese Saison genäht habe.

Sorbetto ist ein kostenloses Schnittmuster von Colette-Patterns. Ursprünglich ärmellos, wurden der  sehr beliebte Schnitt nach und nach um kurze Ärmel und eine Version in Tunikalänge ergänzt. Der Schnitt schlummerte schon lange in meiner Sammlung. Aber erst, als sich der richtige Stoff - das schöne schwarzweiß getupfte Viskosegemisch von Stoff & Stil - fand, wanderte Sorbetto auf die kontkrete Projektliste.

Der Plan sah die Version mit Ärmeln vor, und statt des mit Schrägband versäuberten Halsausschnittes sollte eine Schluppe daran gebastelt werden. Das hatte ich bei meiner Schirmchenbluse schon einmal geübt und für machbar gefunden.

Eigentlich wollte ich Sorbetto schnell mal noch beim Nähtreffen auf Schloss Noer nähen, doch leider kam dort alles anders - und das zugeschnittene Top wanderte ungenäht wieder mit nach Hause.
Und lag dort noch bis in den Juni. Das kalte Wetter, das einfach nicht sommerlich werden wollte, machte keine Lust auf das Nähen leichter Kleidung.

Schließlich habe ich mich aber doch aufgerafft und das Projekt in Angriff genommen.
Und bin ganz angetan.
Sorbetto ist ratzfatz genäht. Auch mit Ärmeln und der Schluppe.
 

Vom Stoff bin ich sehr begeistert. Er war nicht flutschig, fällt sehr schön und hat doch eine etwas schwerere Anfassqualität. Die Tupfen finde ich ohnehin großartig!

In einigen Posts zu Sorbetto habe ich gelesen, dass es Probleme gab mit der Passform der Ärmel, dass der Ausschnitt sehr "halsfern" sei, und die Länge eher was für Kleine.

Keins dieser Phänomene habe ich bei meinem Projekt beobachtet. An Länge habe ich nichts zugegeben und finde das Shirt gerade richtig :


Die Schluppe habe ich als langes Rechteck zugeschnitten, die langen Enden verstürzt und den Halsausschnitt mit einer Rechts-Links-Naht eingefasst. In der vorderen Mitte, wo die Schluppe gebunden wird, habe ich ein ca 10 cm langes Stück mit Schrägband eingefast:

Kenner werden feststellen, dass ich statt der ursprünglich vorgesehenen nach außen gerichteten Faltung eine Kellerfalte gearbeitet habe (ich habe quasi die Faltung auf die Innenseite gelegt). Das gefiel mir in Verbindung mit der Schluppe besser, da diese die markante Falte des Originals ohnehin teilweise verdeckt hätte.

Im Eifer des Gefechts habe ich erst am Ende gemerkt, dass ich die Brustabnäher vergessen habe.
Das tut der Passform aber keinen Abbruch, wie ich finde.
Einzig die Ärmel könnten etwas länger sein. Ich habe sie ganz knappkantig gesäumt - beim nächsten Mal würde ich ein paar Zentimeter Länge hinzugeben und vielleicht eine kleine Manschette mit einem Knöpfchen dazu arbeiten.

Die Fotos sind übrigens beim Gartenfest des Nachbarn entstanden. In dessen traumhaften Garten gibt viele Ecken und Winkel mit kleinen Kunstwerken, die allesamt erst einmal entdeckt werden wollen.

Für diese Sorbetto-Version habe ich 1.30 m Stoff verbraucht, der meine Juli-Bilanz bei der Stoffdiät etwas aufhübscht. Über den Sommer war ich nämlich etwas nähfaul - ging euch das auch so?





Mittwoch, 13. September 2017

Abgenommen (oder: der Klon)

Nein, nein, nicht ich habe abgenommen.
Aber eine meiner Lieblings-Sommerhosen war verschlissen. Und da Hosen kaufen für mich ein noch größeres Gräuel ist als Hosen nähen, habe ich die alte Hose auseinandergeschnitten und den Schnitt - genau! - abgenommen.

Meine Nähfreundinnen zweifelten etwas und staunten: "Das geht?"
Ja, das geht. Zumindest, wenn man ein Guerilla-Näher ist wie ich.
Weißes Leinen mit Stretch-Anteil hatte ich, der Stoffdiät zum Trotz, schon im Frühjahr gekauft. Ende Juni erfolgte dann beherzt der Zuschnitt.

Zwar gibt es keine Anleitung zum Schnitt, aber mit ein bisschen Erfahrung und der intakten Hosenhälfte zum Gucken, wie es am Ende aussehen soll, war das Ganze kein Problem.

Die Taschenkonstruktion fand ich bei der Kaufhose ganz interessant, das Taschenfutter ist vorn in der Reißverschlussnaht mitgefasst. Das macht die Taschen schön geräumig.

Den Bund habe ich wieder mit Schrägband versäubert - ich mag den sauberen Look, der sich daraus ergibt. Schrägband und Knöpfe hatte ich in meinem Lager vorrätig, ebenso den Reißverschluss und den Stoff für den inneren Bund und die Taschenbeutel. Ein bisschen was an Reststoffen wurde also doch verbraucht.
Durch den Stretchanteil im Stoff saß die Hose sehr locker, daher habe ich vorne Abnäher eingebaut.
Merkwürdigerweise war die Hose am Ende trotz einiger cm Zugabe ein bisschen kurz. So habe ich den Saum ebenfalls mit Schrägband versäubert. Wenn ich das Modell also noch einmal nähe, muss ich darauf achten, mindestens 10 cm an Länge zuzugeben.


Und so ist sie nun fertig, meine neue Sommerhose. Viel Gelegenheit, sie zu tragen, gab es in diesem nicht vorhandenen Sommer leider nicht. Vielleicht gibt es einen goldenen Herbst, dass ich sie noch einmal tragen kann.

Die Gürtelschlaufen werde ich noch einmal ändern. Aktuell sind sie gemacht für einen ganz schmalen Gürtel. Der funktioniert bei mir allerdings nur bei Hosen, die etwas höher in der Taille sitzen. Ich habe noch einen schönen breiten Gürtel, der besser passen dürfte. Eventuell werde ich auch hinten noch ein bisschen Weite wegnehmen. Das aber alles vermutlich erst im nächsten Sommer.
Grundsätzlich aber bin ich mit dieser "Guerilla-Hose" sehr zufrieden. Das Nähen war einfach, trotz der Details, und sie trägt sich sehr bequem. 

Bilanz für die Stoffdiät: 2 m weißes Stretchleinen, einige Reste an weißem Voile.

Und ihr lieben Mitstreiterinnen beim MeMadeMittwoch? Näht ihr schon für den Herbst, oder zeigt ihr noch Sommergarderobe?



Dienstag, 12. September 2017

Stoffdiät im September

Das Jahr ist schon weit vorangeschritten, und so treffen wir uns schon zum fünften Mal zur Stoffdiät bei Küstensocke!

Unsere Gastgeberin und "Chefin" der Aktion hat schon sagenhafte 100 m Stoff vernäht in diesem Jahr. Wahrlich eine reife Leistung! So viel habe ich längst nicht geschafft - aber mein Stofflager war von Anfang an viel kleiner.

Erst einmal muss ich Zugänge "beichten" - vier Meter Jersey haben zu mir gesprochen, denen ich nicht widerstehen konnte. Besonders die Pusteblumen hatten es mir sehr angetan. Davon habe ich zwei Meter für ein Knotenkleid, von den anderen beiden (die kommen auch gleich noch einmal vor) jeweils einen Meter.
Aktuell beläuft sich mein Bestand auf 25..3 m - trotz der Zugänge also etwas weniger als beim letzten Mal. Anfang Januar waren es noch über 40 m, und dazugekauft habe ich (böses Mädchen!) auch einiges.
Fast alle Vorräte passen nun in meine Stoffkiste:
Alle Stoffe bis auf 1,5 m Stretchjeans sind Projekten zugeordnet, die ich nur mal irgendwann nähen muss:
- eine bunte Sommertischdecke
- eine graue Hose
- eine blaue hose
- ein Tischläufer (Weihnachtsgeschenk)
- ein schwarzes Leinenkleid samt Futter
- eine blaue leichte Sommerhose
- das Pusteblumen-Knotenkleid
- und noch ein weißes T-Shirt.
Dazu ein paar Futterstoffe, die ich aber in der Bilanz nicht mitzähle. That's it.

Wer genau hinsieht, stellt fest, das oben locker einige Zentimeter Luft sind. In der Kiste fehlen 3m Walk und 2m dicker Sweat. Das bringt mich zum Thema des diesjährigen Treffens:
"Dicke Stoffe vernähen schafft Platz" - mein nächstes Projekt ist der Stadtmantel , für den die 3 m Walk vorgesehen sind. Der dicke Sweat soll eine Sofahose "Siri" werden. Oder vielleicht doch eine ganz einfache Yogahose, wie sie in der aktuellen Ottobre ist? Mal sehen.

Mittlerweile geht es mir so, dass ich für "spontane" Inspirationen keine Stoffe mehr habe. Da wie gesagt alle vorhandenen Stoffe festen Projekten zugeordnet sind, habe ich einsehen müssen, dass ich ab und an doch Stoff kaufen "darf" - denn ein kreatives Hobby macht keinen Spaß, wenn man immer nur nach festem Plan näht und sich zwischendurch nicht auch einmal Spielraum gönnt.

Dazu habe ich festgestellt, dass ich von den knapp 30 m Stoff, die ich in 2017 gekauft habe, immerhin 24.9 m bisher vernäht habe.

Das finde ich gar nicht so schlecht, zeigt es mir doch, dass mein Gespür für meine verfügbare Nähzeit UND meinen reellen Output entwickelt habe. Beides ist tatsächlich deutlich geringer als in meiner Vorstellung, was in der Vergangenheit zum Aufbau des Stoffbergs beigetragen hat.
Dazu ist es mir inzwischen wichtig, kombinierbare Teile zu nähen, was bedeutet, dass ich beim Stoffkauf deutlich kritischer bin als zu Beginn meiner Nähkarriere. Und ich versuche, hochwertiger zu nähen statt "auf Masse", was bedeutet, dass ich länger an einem Projekt sitze und als Folge davon weniger Projekte abarbeiten kann.
Der Trick für mich ist also, nicht mehr zu kaufen, als man vernähen kann, und nur Stoff zu konkreten Schnitten zu kaufen. Für diesen Erkenntnisgewinn hat mir diese ganze Übung schon sehr geholfen - Danke, Antje!


Seit dem letzten Treffen habe ich eher wenig "weggeschafft". Was genau, das will ich euch noch schnell zeigen.

- Einen Schlafshorty, der mir in den wenigen warmen Sommernächten, die wir hierzulande hatten, gute Dienste geleistet hat - 1,50 m 

 - Eine "Guerillahose" aus weißem Leinen, die ich morgen beim Memademittwoch genauer zeigen werde - 2 m

- eine Sorbettobluse mit Schluppe, die ich auch noch genauer vorstellen werde - 1.30 m


- einen Sweatshirt-Hoodie, der ebenfalls noch genauer gezeigt werden wird) - 1.5 m

- und am vergangenen Sonntag beim Nähtreffen mit Kape Anlumi 2 Shirts "Frau Marlene" (werden ebenfalls noch gesondert vorgestellt) - 2 m

Insgesamt lächerliche sieben Meter in zwei Monaten... Allerdings habe ich nebenher noch etliche Taschen als Geschenke oder für mich genäht, wie z. B. diesen Strickprojektbeutel.  Leider kosten diese Taschen einiges an Zeit, schaffen aber kaum Material weg - und in meinem Fall sind die verwendeten Stoffe sogar Reste und daher nicht erfasst. Taschenprojekte habe ich noch auf der Liste, dann kommt wieder Kleidung für mich dran. Versprochen!

Mal sehen, wie weit meine Mitstreiterinnen bei der Diät gekommen sind - hier ist es nachzulesen.